Predigt vom Ewigkeitssonntag 22.11.20

(Pfrin. Kerstin Günther)

Erinnere uns an den Anfang

1. Erinnere uns an den Anfang. Am Anfang, als Leben begann,

sprachst du zu uns: Ihr seid willkommen, hast du an die Hand uns genommen.

Erinnere uns an den Anfang, an Ursprung und Werden, Vergehen,

damit wir das Leben verstehen, damit wir klug, damit wir klug, damit wir klug werden.

 

4. Erinnere uns an das Ende, ans Ende, wenn du zu uns sprichst:

Willkommen seid ihr. Euer Bangen ist gänzlich in Liebe umfangen.

Erinnere uns an das Ende, an Ursprung und Werden, Vergehen,

damit wir das Leben verstehen, damit wir klug, damit wir klug, damit wir klug werden.

 Text: Ilona Schmitz-Jeromin 2014. Melodie: Ralf Grössler 2014. © Strube, München

„Siehe, ich mache alles neu.“ Sagt Gott.
So steht es ganz am Ende der Bibel im Buch der Offenbarung des Johannes.
Irgendwann wird es keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Tränen mehr. Wo geweint wurde, werden Tränen abgewischt. Wo zuvor noch Leid war, wird es hinweggenommen. Wo Schmerz war, wird er nicht mehr da sein. Eigentlich wird nichts mehr sein, wie es mal war. Nicht der Himmel und auch nicht die Erde.

Ich finde dieses Wort aus dem Buch der Offenbarung sehr tröstlich. Gerade an einem Tag wie diesem, an dem wir nochmal ganz bewusst an all jene denken, die wir im letzten Jahr verloren haben – die gestorben sind.

Jeder Tod zerbricht etwas im Leben. Im Herzen. In der Seele.
Der Mensch, den man hergeben musste, fehlt. Und das tut weh. Auch noch nach längerer Zeit. So schnell geht das nicht immer mit dem Heilen. Manche Bruchstücke finden nur langsam wieder zusammen. Die Risse bleiben am Ende doch sichtbar. Und nichts ist mehr wie vorher.

In Japan gibt es ein altes Handwerk, um zerbrochenes Porzellan oder zerbrochene Keramik wieder heil zu machen. Es heißt Kintsugi –auf Deutsch: Goldreparatur. Ganz behutsam wird jedes Bruchstück in die Hand genommen, um abzuwägen, wo und wie viel Kitt aufzutragen ist. Stück für Stück stetzt der Kintsugi-Künstler das Zerbrochene wieder zusammen. Ganz sorgfältig, mit viel Geduld und Liebe. Danach werden die Bruchstellen/Risse mit Goldstaub überzogen. Am Ende entsteht eine Schale, der man ansieht, dass sie zerbrochen war. Aber der man auch ansieht, dass das Zerbrochene geheilt wurde. Und dass sogar wieder etwas Neues, Schönes entstanden ist.

Mich erinnert das an einen Satz aus der Bibel, in dem es heißt: „Gott heilt die, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ (Psalm 147,3)
Unser Leben besteht aus Erfahrungen, die uns zusetzen. Bei denen auch immer wieder Spuren zurückbleiben. Bei denen es sogar manches Mal so scheint, dass es ganz zerbricht.
Aber ich stelle mir vor, wie Gott am Ende auf meine – auf unsere – Wunden und Risse Gold drauf streut, wie ein Kintsugi-Künstler. Ganz sanft und vorsichtig überzieht er sie mit einem goldenen Schimmer.

Auch unsere Brüche, Verletzungen und Risse können heilen, ohne dass sie geleugnet oder gar verdeckt werden. Das, was wir dafür tun können ist, uns der ruhigen Hand Gottes überlassen und seiner Liebe für das Zerbrochene.
Denn gerade dann, wenn der Schmerz wieder groß wird, gilt uns die Zusage unseres Gottes: „Er heilt die, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“

Da wohnt ein Sehnen tief in uns  

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.

In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.

In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.

In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.

Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 Originaltitel: There Is A Longing. Text und Melodie: Anne Quigley 1973; deutsch: Eugen Eckert 1986;

© 1992 OCP Publications Small Stone Media BV, Holland. Für D,A,CH: Small Stone Media Germany GmbH

JSN Venture is designed by JoomlaShine.com