Predigttext 1.Joh 4,16b-21

I Predigttext

Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe lebt, lebt in Gottes Gegenwart und Gott ist in ihm gegenwärtig.
Darin ist Gottes Liebe bei uns ans Ziel gelangt: Am Tag des Gerichts werden wir voller Zuversicht sein. Denn wie Christus untrennbar eins ist mit dem Vater, so sind es auch wir – schon hier in dieser Welt.
Die Liebe kennt keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn Furcht rechnet mit Strafe. Bei dem, der sich fürchtet, ist die Liebe noch nicht an ihr Ziel gelangt.
Lasst uns lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Wer behauptet: Ich liebe Gott, hasst aber seinen Bruder und seine Schwester, ist ein Lügner. Schließlich sieht er seine Geschwister vor sich. Wenn er sie dennoch nicht liebt, kann er Gott erst recht nicht lieben. Denn Gott kann er ja nicht sehen.
Das ist doch das Gebot, das Gott uns gegeben hat: Wer ihn liebt, muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.

II
314 Mal ist in der Bibel von „Liebe“ die Rede. Im heutigen Predigtabschnitt davon schon allein 13 Mal. Es geht also um Liebe.
Und was wurde nicht alles über die Liebe gesagt, gesungen, gespielt: „Nur die Liebe zählt“ hieß eine bekannte Fernsehshow, die zumindest bis 2011 lief. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, sang Marlene Dietrich. Und für die Beatles war klar: „All you need is love.“
Und heute Morgen sagt der Apostel Johannes: Gott ist Liebe.

III Gott ist Liebe
„Gott ist Liebe“ – das ist eine Aussage, die wir schon tausendmal gehört haben. Und die wir vielleicht sogar mehr oder weniger gelangweilt zur Kenntnis nehmen.
Manchmal kann man sich an die größten und gewaltigsten Aussagen so sehr gewöhnen, dass sie einen nicht mehr sonderlich vom Hocker hauen.
Und dennoch soll es heute um diese Aussage gehen: Gott ist Liebe. Weil es die wohl zentralste und wichtigste Aussage ist, die wir über Gott und sein Wesen machen können. In diesem Satz ist die Botschaft der ganzen Bibel verdichtet. „Gott ist Liebe“.

Wenn man sich diesen kurzen, schlichten Satz einmal genauer anschaut: „Gott ist Liebe“, dann beinhaltet er Unglaubliches.
Denn dieser Satz ist eine Aussage über das Sein Gottes.
Er sagt aus: Liebe ist nicht nur eine Eigenschaft Gottes – Gott liebt nicht nur - sondern sie ist sein Wesen. Gott hat nicht nur Liebe, Gott schenkt nicht nur Liebe, Gott übt nicht nur Liebe – Gott IST Liebe.

Martin Luther sagte einmal sinngemäß: Wenn jemand Gott malen wollte, dann müsste er ein Bild voller Liebe malen.
Weil Gott seinem Wesen nach Liebe ist.
Und wenn Gott seinem Wesen nach Liebe ist, dann ist er darin komplett zuverlässig und feststehend in dem. Dann entscheidet er sich nicht mal für oder gegen die Liebe.
Er IST Liebe.
Und diese Liebe ist eine bedingungslose.

IV Gott hat uns zuerst geliebt

Johannes sagt: Er (Gott) hat uns zuerst geliebt.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Liebe, mit der Gott liebt und der Liebe, mit der wir Menschen lieben.
Meistens ist unsere Liebe eine Reaktion auf etwas Liebenswürdiges. Etwas oder jemand ist attraktiv und liebenswert, und dann lieben wir es. Schwierig wird es, wenn unser Gegenüber uns nicht zurück liebt. Wenn wir uns von ihm missachtet oder verachtet fühlen. Wenn er uns durch sein Verhalten verletzt oder provoziert.
Bei Gottes Liebe ist es anders: Während die menschliche Liebe meist eine Reaktion auf etwas Liebenswertes ist, ist Gottes Liebe immer Liebe in Aktion – sie ist immer vorauseilande Liebe. Noch bevor du irgendetwas sagen oder tun kannst, hat Gott dich schon längst geliebt. Noch bevor wir irgendetwas tun könnten, um uns Gottes Liebe zu verdienen, hat er uns schon längst geliebt.

Johannes schreibt wenige Verse vorher: „Darin besteht die Liebe: Nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt hat seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.“ (4,10)

Die Liebe besteht nicht darin, dass wir geliebt hätten, sondern sie besteht in dem, was Gott für uns getan hat. Unabhängig davon, wie wir zu ihm stehen.
Sie zeigt sich darin, dass Gott Mensch wurde, in seinem Sohn Jesus Christus. Gott selbst kommt als Mensch in diese Welt, um uns durch Jesus zu zeigen, wie sehr er uns liebt.
Durch seine Worte und Taten, durch seine Gleichnisse und Wunder zeigt uns Jesus, wie Gott unser Leben heil macht. Durch Jesus zeigt uns Gott, wie ein Leben im Einklang mit ihm und in liebender Gemeinschaft unter uns Menschen gelingen kann. Wer und wie Gott ist, wie groß seine Liebe zu uns ist, lässt sich daran ablesen, wie er uns in seinem Sohn Jesus begegnet.
Darin besteht die Liebe: Nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt hat seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.“

In Jesus Christus wird die Liebe konkret. Eine Liebe, die uns Menschen sieht und nicht anders kann, als sich für uns hinzugeben. Eine Liebe, die die Komfortzone verlässt und sich mitten ins Getümmel begibt. Die den höchsten Preis zahlt und lieber sich selbst in den Tod gibt, als uns geliebte Menschen preiszugeben.

Gottes Liebe ist so anders als wir es kennen.
Deshalb möchte ich dir heute Morgen zusagen:
Du bist von Gott extrem geliebt! Ob du es weißt oder nicht,
ob du es fühlst oder nicht,
ob du meinst es zu verdienen oder nicht,
ob du gerade gut drauf bist oder völlig neben der Spur.
Du bist in seinem Herzen.
Du bewegst sein Empfinden. Du rührst ihn zu Tränen. Du bringst ihn zum Lachen. Du bist von ihm umsorgt und umgeben, getragen und gehalten, begabt und gesendet. Und das aus einem einzigen Grund: weil er dich liebt.

V Darum lasst uns auch lieben

Gottes Liebe wird also sichtbar, indem er selbst Mensch wird.
Und sie wird sichtbar, indem wir Menschen untereinander Liebe üben.
Gott ist Liebe – das ist der Kern und die Mitte des Evangeliums. Doch unser Predigttext macht auch deutlich: Diese Liebe Gottes geht nicht spurlos an einem vorbei. Sie hat Folgen:

Eine Folge der Liebe ist die Liebe untereinander. „Lasst uns lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ so sagt es Johannes.
Für ihn ist klar: Gottes Wesen färbt auf uns ab. Wer sich in Gottes Nähe aufhält, verändert sich: Da wächst innere Stärke und Zuversicht. Und da wächst die Fähigkeit, andere zu lieben. Also zeigt sich hier für ihn, ob die Liebe Gottes wirklich unser Leben ausfüllt. Ob sie in Herz und Hand angekommen ist. Denn die sichtbare Gottesliebe ist die Nächstenliebe:

Das ist doch das Gebot, das Gott uns gegeben hat: Wer ihn liebt, muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.

Lieben meint hier nicht, alle, die uns begegnen, sympathisch zu finden und ihnen gegenüber ein warmes Liebesgefühl zu verspüren. Mit manchen Menschen ist es auch einfach schwierig und manche nerven uns.
Was „lieben“ hier eher meint ist: mitzufühlen, bereit sein zu vergeben. Wo Not ist mit anzupacken. Und nicht wegzuschauen, wenn jemandem Unrecht geschieht, wenn jemand ausgegrenzt oder herabgewürdigt wird.
Liebe kann sich in finanzieller oder materieller Unterstützung äußern. Sie kann sich darin äußern, dass man jemandem das Essen bringt, wenn er krank ist. Dass man für jemanden einkauft, dass man jemandem bei seinen Computerproblemen hilft usw.
Auch, wenn der andere mir nicht so nah oder sympathisch ist.

Und manchmal reicht es auch, sich einfach nur auf dem Grundlevel zu lieben: indem wir einander einfach ertragen, so wie Paulus es einmal ganz nüchtern gesagt hat: Ertragt einer den anderen in Liebe (Gal 4,2). Ertragen und nicht aus dem Weg gehen.

Wichtig dabei ist, dass wir das nicht alles aus eigener Kraft heraus versuchen, sondern aus Gottes Liebe heraus. Indem wir Zeit mit Gott verbringen. Uns seiner Liebe aussetzen.
Gottes Liebe allein kann uns so verändern, dass wir andere lieben können. Jesus selbst gibt uns die Kraft und die Geduld, die wir brauchen, um andere zu lieben.

Trau Gott zu, dass seine Liebe dich mehr und mehr in einen liebenden Menschen verwandeln wird und du in der Liebe wachsen wirst.
Denn wir können nur lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat und uns immer wieder neu zuerst lieben wird. Amen.

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