Gott ist gegenwärtig (EG 165) 

1) Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

2) Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig! singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen.

4) Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen.
Möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen.
Lass mich dir für und für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allem.

8) Herr, komm in mir wohnen,lass mein' Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.
 
Text: Gerhard Tersteegen (vor 1727)

Unser heutiger Predigttext steht in Röm 8,die Verse 18-25.

18Ich bin überzeugt: Das Leid, das wir gegenwärtig erleben, steht in keinem Verhältnis zu der Herrlichkeit, die uns erwartet – und die Gott an uns offenbar machen will. 19Die ganze Schöpfung wartet doch sehnsüchtig darauf, dass Gott offenbart, wer seine Kinder sind. 20Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen – allerdings nicht aus eigenem Antrieb. Sondern Gott hat es so bestimmt. Damit ist aber eine Hoffnung verbunden: 21die Hoffnung, dass auch die Schöpfung selbst aus der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit wird. Und dass sie so zu der Freiheit gelangt, die Gottes Kinder in der Herrlichkeit erwartet. 22Wir wissen ja: Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerz wie in Geburtswehen –bis heute. 23Und nicht nur sie! Uns geht es genauso. Wir haben zwar schon als Vorschuss den Heiligen Geist empfangen. Trotzdem seufzen und stöhnen auch wir noch in unserem Innern. Denn wir warten ebenso darauf, dass Gott uns endgültig als seine Kinder annimmt – und dabei unseren Leib von der Vergänglichkeit erlöst. 24Denn wir sind zwar gerettet, aber noch ist alles Hoffnung. Und eine Hoffnung, die wir schon erfüllt sehen, ist keine Hoffnung mehr. Wer hofft schließlich auf das, was er schon vor sich sieht? 25Wenn wir dagegen auf etwas hoffen, das wir noch nicht sehen, dann müssen wir geduldig darauf warten.

Hoffnung,
ein Gefühl, ein Zustand, ein Wort,
das jeder kennt und zu füllen weiß.

Manche Menschen haben mehr Hoffnung als andere und trotzdem wissen alle, wovon bei Hoffnung die Rede ist.

Hoffnung ist etwas sehr Kraftvolles – sie treibt mich an und motiviert durchzuhalten.
Tag für Tag vorwärts zu gehen. Nicht aufzugeben.
Ohne Hoffnung ist das Leben tot. Stillstand.

Hoffnungslose Menschen haben oft keine Kraft mehr, etwas anzupacken. Sie resignieren und verzweifeln.

Ja, Hoffnung ist der Antrieb für das Leben. Der Motor, ganz im Heute zu leben.

Doch trotz aller Hoffnung, die Menschen haben und die uns auch der Glaube gibt, ist es nicht immer leicht, zu hoffen.
In unserer Welt gibt es viele Gründe, zu seufzen.
So viele Geschichten voller Leid und Trauer. Zahlreiche Bilder ereilen uns täglich, die uns manchmal alle Hoffnung auf Frieden und Glück rauben wollen.

Der Anschlag in Wien – als Menschen auf offener Straße ermordet wurden
die Klimakrise, der Fremdenhass, die Corona-Pandemie und ihre Einschränkungen;
Bilder sinkender Flüchtlingsbote und ertrinkender Menschen;
Meere voller Plastikmüll, in den sich Delfine, Robben oder Schildkröten verfangen und qualvoll verenden.

Die Welt seufzt und stöhnt. Es knarrt und ächzt, als würde gleich etwas auseinanderbrechen.

Aber nicht nur in der Welt – auch in unserem eigenen Leben, gibt es Gründe, laut zu seufzen.

Vielleicht ist da mein Angehöriger, den ich kaum wiedererkenne, weil die Krankheit nicht mehr viel von ihm übriggelassen hat. Meine Angst, dass er bald gar nicht mehr da ist.

Vielleicht ist da meine Beziehung, in der es immer wieder zu Streit kommt. Ständig gerät man aneinander und ich habe Angst, die Beziehung könnte noch ganz zerbrechen.

Geschichten von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Entzweiung und Tod. All das lässt uns seufzen. Und manchmal hat man das Gefühl, daran zu zerbrechen.

Und gerade jetzt, wenn die Tage wieder kürzer werden, scheint das Seufzen noch hörbarer zu sein.

Paulus, der unseren Bibeltext verfasst hat, hört unser tiefes Seufzen.
Er sieht das Leiden der Schöpfung.
Er hört die Wehklagen dieser Welt und er geht nicht achtlos daran vorüber.
Er spricht kein einfaches: „Kopf hoch. Das wird schon wieder“, sondern er nimmt das Leiden und das Seufzen ernst. Aber er belässt es dabei nicht.

Paulus selbst ist kein Schwätzer, der von Ängsten nichts wüsste, der die Nöte und Gefahren herunterspielen würde, in die man im Leben geraten kann.
Er wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut darum.

Trotz allen Leidens und Seufzens schreibt Paulus nicht von Verzweiflung. Vielmehr schreibt er von gespannter Erwartung, er schreibt von Hoffnung.

Keine Hoffnung auf eine besinnliche Adventszeit. Kein Hoffen, dass die nächste Klassenarbeit leicht und die Noten gut werden. Oder darauf, dass Frau Günther im Konfi vergisst den Merkvers abzufragen.
Sondern Paulus schreibt von einer echten und starken Hoffnung.
Einer Hoffnung
in allem Leiden und Seufzen.
Denn Paulus ist sich sicher, dass das, was wir erleiden nicht im Verhältnis zu der Herrlichkeit steht, die bei Gott auf uns wartet.
Damit wird das Leiden auf keinen Fall bedeutungslos, aber tragbar.

Paulus denkt vom Ende, vom Ziel her. Er lenkt unseren Blick weg von dem hier und jetzt und richtet ihn auf das, was noch kommt. – die Herrlichkeit, die uns bei Gott erwartet.

Im Buch der Offenbarung ist von dieser Herrlichkeit bei Gott die Rede.

Es beschreibt die neue Welt – das neue Jerusalem. Und wer auf Glitzer und Prunk steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Es ist die Rede von Gold und verschiedensten Edelsteinen. Es erzählt von einer neuen Welt, die wir uns nicht vorstellen können – es ist eine Welt ohne Leid, ohne Geschrei, ohne Schmerzen.

Paulus richtet unseren Blick auf das Ziel.
Wer ein herrliches Ziel vor Augen hat, der bekommt Kraft für die augenblicklichen Mühen.

Dabei ist klar, dass unser Glaube und unsere Hoffnung nicht einfach über leidvolle Erfahrungen hinwegtrösten können und wollen, als könnte der Glaube sie verhindern oder übertünchen. Vieles bleibt trotzdem unerträglich.
Aber wir Christen erfahren, dass Jesus Christus mitten in unseren unerträglichen Lebenssituationen da ist und durch sie hindurch trägt.

Unsere Hoffnung hat ihren Grund in Jesus Christus. Er ist am Kreuz einen qualvollen Tod gestorben. Er hat gelitten und geseufzt. Er war tot, am Endpunkt. Doch drei Tage später ist er auferstanden.
Damit ist unsere Hoffnung, von der Paulus spricht, eine starke Hoffnung. Es ist eine Hoffnung, die den Tod kennt. Die die Schmerzen und die Angst und die Einsamkeit kennt.
Und zugleich eine Hoffnung, die aus Ostern lebt. Daraus, dass das Leben über den Tod gesiegt hat.

 

Es ist eine Hoffnung, die das Leiden annimmt und aushält. Es ist eine Hoffnung, die auch dann noch steht, wenn alles andere wegfällt.

Wer aus dieser Hoffnung lebt, der geht nicht unter, wie hoch die Wellen auch schlagen mögen.
Der geht sicher seinen Weg, wohin er auch führen mag. Wer aus dieser Hoffnung lebt, kann aushalten.
Der kann den Schmerz, und die Verzweiflung, die Angst und die Einsamkeit aushalten.
Der kann die Dinge benennen, wie sie sind: Er muss nicht unter den Tisch kehren, was unumgänglich ist.

Der kann aussprechen, ohne daran zu zerbrechen, dass die Trennung nicht mehr zu umgehen ist. Oder wieviel harte Arbeit die Rettung der Beziehung wirklich bedeutet. Der kann aussprechen, ohne daran zu zerbrechen, dass die Krankheit nicht aufzuhalten ist und der Tod früher oder später kommen wird.
Der kann aussprechen, dass er Hilfe braucht, weil er alleine nicht mehr zurechtkommt.
Oder wieviel Leid unser Lebensstil für andere auf der Welt bedeutet.

Wer aus dieser Hoffnung lebt kann ehrlich sein. Zu sich selbst und zu anderen. Denn wer aus dieser Hoffnung lebt, der ist frei.

Er muss sich nicht mehr ständig mit sich selbst beschäftigen, sondern kann offene Augen und ein offenes Herz für andere haben.
Kann für andere da sein, denn er kann das Leid, das mit dem Seufzen verbunden ist, aushalten.

Er kann für jemanden hoffen, der selbst alle Hoffnung verloren hat.
Er kann seufzen, für sich und für andere. Als ein kurzes Gebet zum Himmel. Voller Klage, voller Vertrauen und voller Hoffnung, dass Gott, der das Leiden überwunden hat, bei mir ist.

Amen

Bis ans Ende der Welt (Neue Lieder 6)

Bis ans Ende der Welt. Bis ans Ende der Zeit. Deine Liebe hält bis in Ewigkeit. Sie wird niemals vergehn. Sie steht fest und sie bleibt, wenn der Vorhang fällt und der Tag sich neigt. Niemand und nichts kann uns trennen von dir, deine Liebe ist stark wie der Tod. Wenn du für uns bist, wer kann gegen uns sein, denn auf ewig bist du unser Gott. Bis ans Ende der Welt.

 

Text und Melodie: Lothar Kosse. © 1988 Praize Republic, Köln

 

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