Predigt vom 24. Mai 2020

Heute soll es ums Thema Gebet gehen.

Ich weiß nicht, wie oft ihr betet, in welchen Situationen ihr betet oder ob ihr überhaupt betet.
Statistiken belegen auf jeden Fall, dass die meisten Menschen doch irgendwie beten. Einige regelmäßig, andere ab und zu.

Was ist aber überhaupt Gebet?

Martin Luther hat gesagt: Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott, in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung.

Ein Reden des Herzens mit Gott. Also Kommunikation, Austausch, Reden mit Gott.
Man könnte auch kurz sagen: Beten ist gelebte Beziehung.

Gott hat uns Menschen geschaffen, um eine Beziehung zu ihm zu haben. So hat er uns gemacht. Und Beziehungen, egal welche – ob zwischen Eltern und Kindern, zwischen Ehepartnern, Freunden, Geschäftskollegen – Beziehungen leben von Kommunikation. Sie leben davon, dass zwei miteinander sprechen.
Und indem wir beten, leben und gestalten wir unsere Beziehung mit Gott.

Das ist so ein großer Schatz, den wir haben. Dass wir in direkten und unmittelbaren Kontakt mit unserem Gott treten können.
Und ich möchte deshalb heute über dieses Thema Gebet sprechen, weil es einerseits sowas Kostbares ist, aber ich gleichzeitig kaum einen Christen kenne, der sich mit diesem Thema nicht auf irgendeine Weise schwer tut.

Ich zugeben: ich habe mir schon auch immer schwer damit getan. Und auch heute fällt es mir immer noch nicht allzu leicht.
Ich glaube die meisten Jahre, in denen ich Christ war, hab ich nie richtig verstanden, warum ich überhaupt beten soll. Ich hab es halt getan, weil ich natürlich ein guter Christ sein wollte. Also hab ich gebetet, aber ich wusste nicht genau wozu eigentlich.

Denn warum soll ich Gott Dinge erzählen, die er sowieso schon weiß.
So z.B. in Matthäus 6: „Und wenn ihr betet sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

Gott weiß also bereits, was ich brauche, bevor ich ihn darum bitte.
Wozu soll ich also meine Zeit, meine Anstrengung investieren, um Gott um Dinge zu bitten, die er ohnehin schon weiß? Dann könnte ich mir das ganze doch gleich sparen. Er gibt es mir ja sowieso – oder auch nicht.
Aber darum geht es überhaupt nicht. Ich habe mal einen Text gehört. Da hieß es:
„Welchen Sinn macht es, wenn wir Gott im Gebet Dinge erzählen, die er schon weiß? Fragen stellen, die er schon längst beantwortet hat? Anliegen vorbringen, die er viel besser beurteilen kann? Bitten aussprechen, deren Erhörung er bereits eingeleitet hat?
Abgesehen von seiner Liebe macht es keinen Sinn. Aber in Anbetracht seiner grenzenlosen Zuneigung zu uns, können wir gar nicht zu oft vor ihn treten, zu lange mit ihm sprechen und zu viel von ihm erbitten.“

D.h. also: Ja, an sich macht es keinen Sinn Gott irgendwas zu erzählen oder ihn um irgendwas zu bitten, wenn da nicht Gottes Liebe zu uns wäre.
Denn Gott in seiner Liebe ist nicht darauf aus, nur Bitten zu erhören, die wir vorbringen. Sondern er ist darauf aus uns zu erhören.
Er möchte nicht etwas Neues von uns hören. Er möchte uns hören! Was uns beschäftigt, was uns Freude macht, was uns Schmerz bereitet… Und das immer wieder aufs Neue.

Ein Beispiel: Ich habe keine eigenen Kinder, aber ich habe 4 Patenkinder. Das ist nicht ganz dasselbe, aber ich habe meine Patenkinder trotzdem sehr ins Herz geschlossen.

Vor zwei Jahren war es, da habe ich mit der Mutter von Oscar, meinem kleinen Patenkind, telefoniert. Oscar ist mittlerweile 10 Jahre alt. Und seine Mama hat mir von Margarete erzählt, die nicht nur in seiner Klasse ist, sondern auch seine Freundin. Sie habe ihm sogar einen kleinen Liebesbrief geschrieben und als Krönung des Ganzen, habe ich noch ein Foto von den beiden und vom Liebesbrief zugeschickt bekommen. Ich war also vollstens informiert von den zwei 8 jährigen Turteltäubchen.

Als ich dann ein paar Monate später zu Besuch kam, hat Oscar irgendwann angefangen von Margarete zu erzählen. Ich habe das alles schon gewusst und eigentlich hat er mir nichts Neues mehr erzählt. Aber ich liebte es, es nochmal von ihm zu hören.
Ich wollte nichts Neues von ihm hören, ich wollte ihn hören.

Und so ist es bei Gott. Er will nichts Neues von Dir hören, denn es gibt für ihn nichts Neues. Aber er will dich hören: Was dich beschäftigt, was dich freut, was dir Ärger macht.
Gott liebt es, wenn du ihm Anteil gibst, an deinem Leben.
Wenn du bspw. jeden Gedanken, der dir in Sinn kommt, mit Gott besprichst. Denn wenn etwas groß genug ist, dass du dir darüber Gedanken machst, dann ist es groß genug, es Gott zu sagen. Und darum kannst du gar nicht zu oft mit ihm reden.

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: Es ist wichtiger mit Gott über Menschen zu reden, als mit Menschen über Gott.

Mit Menschen über Gott zu reden ist wichtig und gut, aber noch viel wichtiger ist es, mit Gott zu reden. Mit ihm zu reden.


Aber wie stelle ich das an? Wie kann oder wie soll ich denn beten?
Es gibt eine Vielzahl an Büchern, die genau das behandeln. Und es gibt viele Tipps, auf die ich jetzt an dieser Stelle gar nicht eingehen kann, sonst würde es zu lange gehen.
Das Wichtigste ist: Es gibt keine festen Regeln. Alles ist erlaubt.

Als Jesus mal von den Jüngern gefragt wurde, wie sie beten sollen, lehrte er sie das Vaterunser. Das kann ein Anfang sein – das zu beten. Und für manche ist das ganz hilfreich.

Aber an sich können wir mit Gott sprechen wie wir möchten, wann wir möchten und wo immer wir möchten.
Beim Gebet geht es um die Beziehung zwischen mir und Gott. Und dafür gibt es keine festgelegten Regeln, dass es genau so und nicht anders sein müsste. Wir haben alle Freiheit. Und es gibt unglaublich viele verschiedene Möglichkeiten, wie wir beten können.

Einer hat z.B. mal erzählt, dass es ihm total schwerfällt, im stillen Kämmerlein zu sitzen und zu beten. Nach paar Minuten sei er entweder eingeschlafen oder seine Gedanken mindestens woanders hingewandert, bis er sich wieder dran erinnert, dass er ja eigentlich beten wollte. Er hat herausgefunden, dass er sich am besten auf Gott konzentrieren kann, wenn er spazieren geht. Ich selber gehe auch manchmal mit Gott spazieren, aber ich bin da lange nicht so bei der Sache wie daheim, weil ich zu sehr abgelenkt bin von den Bäumen um mich herum oder einem Käferchen, das gerade über den Weg krabbelt.
Aber ihr seht, das ist ganz unterschiedlich und nicht festgelegt auf einen bestimmten Ort.


Früher hab ich auch gedacht, ich muss auf jeden Fall beim Beten meine Hände falten und die Augen schließen. Und am besten sollte ich noch hochdeutsch reden, damit Gott mich versteht und am allerbesten ist es, wenn ich dann noch ganz salbungsvolle Worte verwende, wie der Pfarrer in der Kirche, um es auf jeden Fall richtig zu machen. So betet man. Dachte ich.
Aber so ist das nicht.

Manchmal hilft es, die Hände zu falten und die Augen zu schließen, um konzentrierter und fokussierter zu sein, aber nirgends in der Bibel steht, dass ich das so machen muss.

Und auf keinen Fall müssen wir uns erst eine bestimmte Gebetssprache aneignen oder schöne Formulierungen auswendig lernen. Wir dürfen mit Gott in unserer ganz eigenen Sprache reden. Mit unseren Worten, so wie wir ganz natürlich sprechen. Wie uns sozusagen der Schnabel gewachsen ist. Gott versteht schwäbisch, er versteht Halbsätze und Gestammel.

Es ist egal, wie wir beten. Es ist egal, welche Form wir wählen. Wichtig ist, dass wir beten. Weil es um unsere Beziehung mit Gott geht. Amen.

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