Predigt zu Pfingstsonntag, 31.Mai 2020, Pfrin. K.Günther

 

„Endlich Pfingsten«: wer hat sich das heute Morgen gesagt?

Dann winken doch bitte mal alle, die sich mit dem Ruf »Endlich Weihnachten!« anfreunden können.

Eigentlich verwundert mich das Ergebnis nicht: Weihnachten – Ostern – Pfingsten, das ist eine Hitparade mit ersten und letzten Plätzen und vielleicht stellen wir auf unserer inneren Liste das Erntedankfest oder den Reformationstag noch vor das Pfingstfest.

Pfingsten als das »Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes«, wie es so herrlich altmodisch bezeichnet wird, hat es irgendwie schwer, weil es nur wenig greifbar ist.
Es geht irgendwie um den Heiligen Geist, aber gesehen hat ihn auch noch niemand.

Was ist Pfingsten? Dazu will ich den Predigttext für heute aus Apg 2 lesen:

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Soweit also die Pfingstgeschichte.

Da sitzen die Jünger Jesu, Frauen und Männer, also zusammen und warten.
Noch völlig durchgeschüttelt von dem, was sie in den letzten Wochen und Monaten alles erlebt haben. Und ganz ehrlich: ich möchte nicht wissen, wie ausgelaugt sie waren, nach diesem Wechselbad der Gefühle.
Erst dieser großartige Einzug in Jerusalem – wie die Menschen da Hosianna gerufen haben. Dann dieser Schock: Jesus wurde verhaftet, verurteilt und am Kreuz hingerichtet. Alles aus und vorbei. Aber dann irgendwie wieder doch nicht, denn zwei Tage später ist das Grab leer und Jesus doch wieder da. Sie haben ihn selbst gesehen, selbst gehört. Was für eine Freude. Jetzt wird alles gut! Wie schön, wenn am Ende alles gut ausgeht. Wenn man nach schweren Zeiten wieder richtig Freude haben kann am Leben. Wenn alles wieder ins Lot kommt.

Und dann plötzlich: in Luft aufgelöst. Von jetzt auf nachher ist Jesus in den Wolken verschwunden. Ich bin mir sicher, dass ihnen klar war: Jetzt ist es wirklich vorbei. Nichts wird mehr so sein, wie es vorher war.
So sitzen sie da in diesem Haus. Zurückgelassen. Mit dieser lähmenden Mischung aus Angst und Trauer.
Und sie beten und warten ab, was jetzt wohl passieren mag und wie es weitergehen wird.

Und dann, so beschreibt es Lukas in der Apostelgeschichte, dann werden die Jünger vom Heiligen Geist erfüllt.

Wie das gewesen sein soll, ist schwer zu beschreiben. Da merkt man, dass man mit der Sprache an eine Grenze kommt.
Wie ein Brausen soll es gewesen sein, so sagt es unser Predigttext.
Der Geist kommt wie ein heftiger Wind – dynamisch und stark.
Und wie Feuerflammen habe es ausgesehen. Der Geist ist also wie ein starkes Feuer: lebendig und kräftig „befeuert“ er die Freunde von Jesus. So dass sie ihre Häuser verlassen und allen möglichen Leuten auf der Straße von ihrem Gott erzählen.

Sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ So steht es da.


Die Jünger wurden erfüllt mit dem Heiligen Geist. Was ist aber der Heilige Geist?

Der Heilige Geist ist kein Gespenst, nichts Unheimliches – er ist kein „Was“, keine Sache, sondern eine Person, aber eben nicht greifbar. Er ist der Geist Gottes.

Das Alte Testament gebraucht für den Begriff „Geist“ das Wort „ruach“. Und gleich wenn wir die erste Seite der Bibel aufschlagen, begegnet uns dieser ruach. Als der Geist Gottes über dem Nichts schwebte. D.h., der Geist Gottes war schon seit Erschaffung der Welt da. Und dann später, als Gott den Menschen erschuf, heißt es: er hauchte ihm seinen ruach ein. Seinen Geist. Und in dem Moment wird der Mensch lebendig.
Der Heilige Geist ist also die Kraft, mit der Gott Neues, Schönes, Herrliches ins Leben ruft und er ist die Kraft, mit der er Menschen lebendig macht. Damit meine ich nicht in erster Linie physisch, sondern vielmehr innerlich. Er ist die Kraft, die einem neues Leben schenkt. Die einen neu auferleben lässt. Die müde und erstorbene Herzen fröhlich machen kann.
So wie bei den Jüngern, die nicht mehr wussten wohin, oder wie es für sie weitergehen sollte. Die so eine tiefe und schwere Traurigkeit auf sich lasten hatten und dann aber vor Freude kaum an sich halten konnten, die neuen Mut fassten und plötzlich raus auf die Straße gingen. Die sich dem Leben wieder stellten,
weil sie erfüllt waren vom Heiligen Geist.
Und Gott ihnen in diesem Moment ganz nahe war.

Das ist etwas, das uns der Heilige Geist auch heute noch schenken möchte. Diese tiefe Freude. Dieses ganz tiefe, innere, feste Glücklich-Sein.
Das ist etwas, um das ich ihn einfach bitten darf. Ein kurzes Gebet: Gott, Heiliger Geist, komm in mein Herz. Erfülle und durchdringe es. Jeden Winkel meines Herzens.

An Pfingsten feiern wir, dass Gott uns seinen Geist gibt. Dass er auf die Erde kommt. Nicht wie an Weihnachten, in einem kleinen süßen Kind, aber in seinem Geist. Deshalb müssten die Kirchen an Pfingsten eigentlich fast genauso voll sein wie an Weihnachten. Der heilige Geist ist zwar nicht so goldig wie ein Baby und lässt sich auch nicht so gut vermarkten wie die heilige Familie. Aber Gott kommt zur Erde! An Weihnachten hat sich Gott klein gemacht in einem Futtertrog in Bethlehem. Und an Pfingsten geschieht eigentlich etwas ganz Ähnliches: Gott macht sich wieder klein, und das unzählige Male, weil er sich unser Herz als Wohnung aussucht. (Der Heilige Geist ist Gott in uns.)

Gott kommt, in seinem Geist. Und wenn Gott kommt und in uns ist, dann ist ganz schön was geboten. Im positiven Sinne.
Und deshalb würde ich mir selber wünschen, nächstes Jahr wirklich sagen zu können: „Endlich Pfingsten“! Amen.




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