Lese-Gottesdienst am 15. Nov. 2020

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Darf Frechheit siegen, der Böse gewinnen? „Wir müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi“.

134 Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen als nur, was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns von Irrtum los.

Wird uns auch nach Troste bange, dass das Herz oft rufen muss: »Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?« o so mache den Beschluss; sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh.

903 Gott, der Höchste, der Herr, redet. Er ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Aus Zion bricht an der Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du wirst mich preisen.
Wer Dank darbringt, der ehrt mich; wer meiner Weisung folgt, dem zeige ich mein Heil. Aus Ps 50

Lass uns dein Licht sehen im Wirrwarr der Zeit und mit unsrer Kraft suchen, was den Frieden schafft. Amen.

Lesung: Hiob 14,1-6.15-17 Der Mensch ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. …Du rufst, ich antworte dir. Es verlangt dich nach dem Werk deiner Hände. Du zählst meine Schritte.. meine Übertretung versiegelst du in einem Bündel und übertünchst meine Schuld.

559 Alles ist eitel, du aber bleibst, und wen du ins Buch des Lebens schreibst.

Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde beschuldigt, er verschleudere seinen Besitz … Da rief er zu sich die Schuldner seines Herrn: Wie viel bist du schuldig? 100 Fass Öl. Nimm deinen Schuldschein und schreib 50… Der Her lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Luk 16, 1-8

Es gibt Augenblicke, da stehen wir wie vor einem Spiegel und spüren die bohrende Frage: Was hast Du aus deinem Leben gemacht? Bist Du im Großen gewissenhaft und auch im Kleinen treu gewesen? Weil wir es damit oft nicht so genau nehmen, weil sogar auf vornehme Weise geschludert, getäuscht und getrickst wird, entsteht die Frage, ob am Ende einer da ist, der das Gute gutheißen, das Schlechte schlecht nennen wird. Dass wir damit zu rechnen haben, erzählt Lukas in der Kriminalgeschichte einer Aktenfälschung.

1. Was Jesus da von dem untreuen Haushalter erzählt, das verstehen wir gut. Er knüpft an unsere Erfahrung an und lässt dahinter aufscheinen, wie Gott mit uns umgeht: er wendet sich zu uns - mit seiner Liebe zu den Lieblosen, mit seiner Freude zu den Traurigen, mit seinem Trost zu den Haltlosen, mit seiner Hilfe zu den Verzweifelten. Damit dieses Bei-uns-sein gelingt, damit wir uns auf sein Erbarmen einlassen, stellt er uns den rettenden Entschluss des untreuen Verwalters drastisch vor Augen: es geht darum, zur rechten Zeit das Richtige zu tun. Dem Gutsherrn ist zu Ohren gekommen, dass sein Verwalter sein Vermögen ver­untreue. Er muss Rechenschaft geben, danach droht ihm die Entlassung. Dann sitzt er auf der Straße. Besorgt blickt er in die Zukunft. Dort begegnen ihm die unausweichlichen Folgen seiner Vergangenheit, die ihm nun das Genick brechen. Was soll er tun? Nach Gold und Silber graben kann er nicht. Betteln gehen mag er nicht. Für das eine ist er zu schwach, für das andere zu stolz. Drohend liegt die Zukunft vor ihm, die ihm seine Vergangenheit beschert hat. Offen bleibt, ob er eigennützig oder zugunsten der Schuldner Geld verschoben hat.

2. Diese Schilderung dient nicht dazu, uns mit dem Verwalter gleichzusetzen. Ähnlich sind wir dem Mann nicht im Blick auf gefälschte Buchungen, ähnlich ist unsere Lage: mit Sorge blicken wir in die Zukunft.
Wer wird mich pflegen, wenn ich Hilfe brauche? Wie lange reichen meine Ersparnisse?
Wie können wir der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken? Wie wird Europa mehr Einheit und Amerika inneren Frieden finden? Terror verhindern? Die Pandemie überwinden? Arbeit und Einkommen erhalten?
Wie schaffen wir es, unseren Konsum zu begrenzen? Regionale Wirtschaft zu fördern?
Was können wir beitragen, um Tier- und Pflanzenarten vor dem Aussterben zu retten?
Wie können wir Jugendlichen eine Zukunftsperspektive geben? Unsere Zukunft ist bedroht, weil uns unsere eigene Geschichte verfolgt. Die Sorge, dass die Eingriffe in die Natur und die Störung ihres Gleichgewichtes auf uns zurückfallen, stellt uns an die Seite des beschuldigten Verwalters. Die Angst vor der Zukunft läuft wie ein Schatten mit uns, die Folgen, die auf uns stürzen, sind der Lohn für unser Verhalten.

3. Der Akteur im Schulden-Krimi findet sich mit diesem Schicksal nicht ab. Er ist fest entschlossen, das ihm drohende Unheil abzuwenden. Zu diesem Zweck baut er sich - diesmal in kluger Voraussicht - Brücken in die Zukunft. Er tut genau das, wessen man ihn beschuldigt: er veruntreut Geld – man könnte auch sagen: er bekämpft die Korruption mit eigenen Mitteln. Und dazu nimmt er einen Schuldenschnitt vor. Wie viel schuldest Du? Hundert Maß Öl. Nimm deinen Schuldschein und schreibe fünfzig.

Schuldknechtschaft ist in der Wirtschaft zur Zeit Jesu keine Seltenheit. Der Schwache wird unter der Zinsbelastung immer schwächer, bis er alles verloren hat. Zumal hat die griechisch-römische Wirtschaftsweise die ausgleichenden Verfahren außer Kraft gesetzt. Im Judentum war es üblich, nach sieben Jahren die Schuld zu erlassen und dem Abhängigen eine neue Chance zu geben. Nach 49 Jahren musste eine Generalamnestie ausgesprochen werden. Der Schuldenerlass galt als das einzige wirksame Mittel zur Tilgung jahrelang aufgehäufter Schulden.

Gerade damit – also mit heilendem Handeln – macht sich der Verwalter Freunde. Dem Gutsbesitzer schadet der Verlust nicht, den Schuldnern aber wird ein Teil der Last abgenommen. Dass er seinen Herrn betrügt, der selber durch Zinsdruck und Betrug reich geworden ist, das kümmert ihn nicht. Jetzt kümmert er sich nur um seine Zukunft. Und die will er retten. Dafür nutzt er die Frist, die ihm geblieben ist. Zur Nachahmung ist dieses Kriminalstück nicht gedacht. Im Na­men des Himmelreichs zum Betrug aufrufen, das wollte Jesus nicht. Im Gegenteil: er will uns aus dem Selbstbetrug herausreißen. Im Spiegel dieser Geschichte macht Jesus uns klar, wo wir uns befinden: im Angesicht einer bedrohlichen Zukunft.

4. Auch wir stellen die Frage, was wir tun können, damit wir der Zukunft, die uns aufgrund unserer Vergangenheit droht, getrost entgegen gehen können. Was bedeutet es für uns, dass der betrogene Gutsherr den untreuen Verwalter trotz seiner verwerflichen Taten lobt? Inwiefern hat er klug gehandelt?

Seine Klugheit besteht nicht darin, dass er ein paar Millionen für sich auf die Seite geschaufelt hat. Seine Klugheit besteht darin, dass er die Not anderer sieht, dass er erdrückende Lasten abnimmt, dass er statt auf Sicherheit in seiner Hand auf Vertrauen zu anderen setzt. Klug handelt er, weil er die kurze Frist, die ihm bleibt, richtig zu nutzen versteht. Um den Folgen der Vergangenheit zu entrinnen, kann ihm nur die Gegenwart helfen. Im Spiegel dieser Geschichte erkennen wir, was die Stunde geschlagen hat. Jetzt können wir dafür sorgen, dass die Zukunft nicht als Bedrohung über uns hereinbricht.

Menschen mit biografischen Belastungen resignieren oft vor der Übermacht der tausendmal eingeübten verhängnisvollen Muster. Streitgespräche unter Geschwistern, zwischen Eheleuten, Eltern und Kindern verheddern sich immer wieder in Enttäuschungen, Verletzungen und Vorwürfen. Gerade für sie gilt: Heute entscheidet sich, ob du erneut die Vergangenheit heraufbeschwörst oder ob du den Teufelskreis durchbrichst.

5. Wie erreichen wir, dass die Zukunft nicht in ausgetretenen Bahnen weiterläuft? In der Spiegelgeschichte tritt zutage, wie der Spurwechsel zustande kommt. Es geht nicht darum, was die nächsten Jahre uns bringen. Es geht um eine ungleich gewichtigere Zukunft. Es geht darum, dass Gott auf uns zukommt.

Er kommt als der Herr der Zeit, um uns nach unserem Umgang mit der Zeit zu fragen. Wir brauchen unser Leben nicht lange zu mustern, um zu erkennen, wann und wie wir schlechte Haushalter unserer Zeit und auch Kreditnehmer an der Zeit unserer Mitmenschen sind. Der Herr der Zeit deckt auf, wo wir unser Leben vergeudet oder zurückbehalten haben. Vor ihm spüren wir die Fragen, denen wir nicht ausweichen können. Sie lassen uns nackt dastehen, sie lassen kein Schummeln und Beschönigen zu.

Die Zukunft, die nur aus den Schatten der Vergangenheit besteht, droht uns mit einem totalen Zeitverlust, mit dem Tod. Doch erneut würden wir das kluge Handeln des untreuen Verwalters missverstehen, wenn wir unter dem, was auf unseren Kopf zurückfällt, wie unter einem Fallbeil stehen blieben. Der Herr lobt ja den Geldjongleur, weil er, bevor die Falle zuschnappt, die Tür zur Zukunft geöffnet hat, indem er den Augenblick voll ausschöpfte. Im Vergleich mit dem seines Amtes enthobenen Verwalter soll uns aufgehen, dass Jesus jetzt für uns da ist – und das sollen wir klug ausschöpfen. Eines freilich unterscheidet uns von dem Verwalter: er nutzte seine Zeit – sie allein konnte ihm helfen. Kein Wunder, dass diese Hilfe durch Schummelei zustande kam. Uns aber hilft, dass wir einen Fürsprecher haben, der uns freispricht. In ihm ist uns die Liebe Gottes gegenwärtig. Sie allein vermag das verdiente Urteil mit Gnade und Erbarmen aufzuwiegen.
Mit dieser Spiegelgeschichte ruft Jesus uns in die Liebe Gottes. Mit ihr ist das Himmelreich auf Erden da. Jetzt ist es am Werk - es kommt darauf an, klug zu sein wie der, der anderen die Schuld erließ.

153 Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen.

Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist, wenn die Liebe das Leben verändert.

Gott, lass deine Gnade leuchten über uns. Umtrieb schafft Erfolg und Not zugleich. Lass uns zur Ruhe kommen, satt werden an deiner Güte, erfüllt von Freude und Frieden. Hilf uns, jeden Augenblick so zu erfassen, dass wir Begegnungen, Ermutigung und Trost wie Perlen sammeln. Hilf uns, auf diejenigen zuzugehen, die in Einsamkeit und Angst versinken. Steh denen bei, die in der Betreuung und Pflege schwere Arbeit leisten. Hilf uns, persönliche Freizügigkeit mit der Verantwortung füreinander in Einklang zu bringen.

Gib uns Augen, die sehen, gib uns Ohren, um deine Stimme zu hören, ein Herz, das deiner Zusage vertraut. Stärke uns, in allen Bereichen zu tun, was dringend und not-wendig ist, damit wir alle Segen empfangen.

Wir gedenken derer, die durch Krankheit, Unfall oder Terror aus dem Leben gerissen wurden.

Heilige Geistkraft, führe uns im Vertrauen zu Gott und in der Liebe zu den Menschen. Vater unser

497 Es fängt so mancher weise Mann ein gutes Werk zwar fröhlich an und bringt's doch nicht zum Stande;
er baut ein Schloss und festes Haus, doch nur auf lauter‘m Sande.

Gib mir Verstand aus deiner Höh, auf dass ich ja nicht ruh und steh auf meinem eignen Willen;
sei du mein Freund und treuer Rat, was recht ist, zu erfüllen.

Tritt du zu mir und mache leicht, was mir sonst fast unmöglich deucht, und bring zum guten Ende,
was du selbst angefangen hast durch Weisheit deiner Hände.

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.

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